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Fast alle Gedichte sind aus meinem ersten Gedichtband "Halbzeit - auf die Plätze HEIMAT los" = ÜberLeben - ÜberLieben - ÜberMut.
Verlegt 2012 bei Epubli und absolute Bückware - also unter dem Ladentisch bei mir persönlich zu erhalten. Der zweite Gedichtband ist fast fertig!

Anfragen: nadjaengelberlin@aol.com

 

Texte

Gedichte

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

Watt tun? = Überlegung eines Clowns

Liebet Universum, ick wende mir jetzt einfach mal an dich, obwohl es dir wahrscheinlich scheiße egal iss. Weeßte du, ick duz dir jetz einfach!
 
Also weeßte, vorige Woche hab ick mir ditt Herz jebrochen, an eene ziemlich unjünstige Stelle.
Weeßte, jenau durch de Mitte - glatt durch. Een ziemlich komplizierter Bruch !
Und nu frage ick mir, watt ick tun soll!
So een Bruch, glatt durch de Mitte, durchs Herz, ditt iss ja nu mal nich unjefährlich.
Ob ick es riskieren kann, damit einfach so weiter zu leben?
Manche sagen ja, es sei lebensgefährlich! Also so een Bruch, glatt durch, durch die Mitte- durchs Herz?
Ick hab ihn natürlich gleich ruhig jestellt, den Bruch. So mit Schienen drumm rumm und Bettruhe. Ne, Bettruhe ertrage ick nich. Dann tuts janz besonders weh. Janz schlümm, ditt Herz. Ruhe hamm wa in Sarg jenuch! Ick habs erst mal mit Alkohol desinfiziert – die Wunde - mein Herz. Aber tut imma noch weh.
Tja, watt soll ick tun?
Die eenen sagen, son starken Bruch muss man sofort eingibsen. Aber hast du schon mal so ein eingegibstet Herz jesehn? Also, ick nich! Andere wiederum sagen, da hilft nur Ruhe und Zeit. Zeit heilt die Wunden!

 

Och son Herz? Also, so een gebrochenet? Glatt durch - die Mitte?
Kann ditt heilen, ohne Gibs? Ditt meen ick eben, liebet Universum!
Soll ditt Herz jetz versteinern oder muss ick ditt einfach aushalten?
Weil es Schlümmeres jibt? Zum Beispiel Herzinfarkt.
Ick habs - wie jesagt, erst mal desinfiziert und in den Wind jehangen. Weil ja bald Frühling iss. Und im Frühling, da solln die Jötter uns wohl jesonnen sein! Da soll man Zeichen erkennen, wenn man jeübt hat Zeichen zu lesen- im Frühling, im Wind!

 

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OMG

Was wird nur werden
Aus dieser wundervollen
Heimat - die mir genommen -
Was wird werden aus
Deutschland den
Germanen
Den Christen und
Den Katholiken
Den Moslems und
Den Juden den
Arabern so wie
Den Kommunisten
Was wird werden
Aus Deutschland
Wo Bergenbelsen
Sachsenhausen
Buchenwald und
Schönefeld bei
Leipzig
Heute
Keine Rolle mehr
Spielt?
Oh Mein Gott!

11.11.2015

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Fegefeuer

Wenn ich die Augen
Öffne wenn ich es
Schaffe über den
Rand zu blicken
Dann Trau ich meinen
Augen nicht dann
Möchte ich am
Liebsten nur noch
Mein Gesicht
Meinen Kopf
Die Seel
Mein ganzes Sein
Im Sand vergraben
Denn Verschwommen
Wie durch Milchglas
Wie durch Pergament
Nehme ich das Grauen
Wahr - mit nur einem
Koffer - nichtmal, werd
Ich die erste Hölle hinter
Mir lassen auf dem Wg in
Die unendliche Hölle
Wo Jude
Moslem
Araber
Germanen sich das Fell
Abziehen mit nur dem einen
Ziel- unsere Religion - ist
Der Allmächtige und wer
Sich widersetzt dem
Droht das Fegefeuer.

11.11.2015

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Help zwei

Wenn der Sommer kein richtiger Sommer mehr ist
wenn der Winter zerschmilzt zwischen Veganern
und political  correctness den Zeittakt bestimmt
Wenn kein Schwein sich mehr interessiert für
den Baum der hinter dir steht und stirbt wenn
kein Schwein mehr interessiert das es sowieso
egal  ist was du machst was du denkst wenn
du nur zählst die  harte Währung- der Dispo
tief hängt in deinem Unterbewusstsein
wenn  dein Hund sich durch die Couch frisst
wenn kein Schwein interessiert das Tausende
Menschen nur eins wollen ihr Leben retten
ihre nackte Haut und nie wieder Krieg
dann kannst Du Dich eigentlich gleich
vergessen
dann kannst Du dich eigentlich gleich
um die Ecke
Gibt's Obst  und noch nicht verseucht

Was soll das ganze Geschwafel von Aufschwung 
Freiheit und Ficken for Demokratie am Ende zählt
doch nur dass unsere Sippe überlebt - eure Sippe 
die Mutter der Vater das Kind es ist wie es ist
Das Geld kommandiert den Takt der Rhythmus
schon längst aus dem Gleichgewicht kein Jazz
Harmonie  warum noch fragen wie es mir geht
Wir leben nur einmal auf den Trümmern unserer
Träume
auferstanden
ausruhen
der Zukunft zugewandt
es ist wie's ist
tot,
Trauma und neben mir Rand das Kind
das nicht hören und sprechen kann
Mit dem Boot übers Mittelmeer floh.
Help help help!

10.2015

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Gier

Auf die Knie
Halts Maul
Auf die Knie
Ganz runter
Ich bin oben
Du bist unten
Ich Boss
Du Knecht
Oder
Hure
Ich will
Dein
Geld
Dein
Selbst
Achtung
Tritt
Zurück
Auf die Knie
Du Dreck
Ich Chef
Du Sklave
Oder
Abschaum
Kohle Drugs und
Privatversicherung
Ich
Privateigentum
Du
Von mir
Ich Gladiator
Inquisitor
Ich
Heil
Hitler
ist out
Ich
Jetzt
Unersättlich
Gierig
Ich
Zukunft
Halts Maul
Du bist
Kaputt
Immun
Du bist
Ein
Nichts
Das war so
Das bleibt so
Und
ich verspreche
In guten wie
In schlechten
Zeiten es
Wird noch Schlimmer!
Meine Gier
Ist unersättlich
Geil
Glorreich
Genial
Gerade
Heraus
Ich Boss
Du Knecht
Ich habe
Meine
Heimat
Du hast keine
Heimat
Ich Chef
Hier
Du
Ein
Wanderer
Verlierer
Du
Flüchtling!
Auf die Knie
Ganz runter
Ich oben
Du
Unten
Halts
Maul
Sprich
Deutsch!

10.2015

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Leckt mich

Wollt Ihr wissen was
Ich denke was
Ich fühle
Leckt mich
Leckt mich
Unfein
Am
Aller Wertesten
Dem Arsch des
Jahrhunderts
Leckt mich
Am Minus Pol
Im Dispo
Ein Hoch
Auf die Würde
Griechenlands
Vaterland von
Aristoteles
Homer und
Odysseus nicht
Zu verachten
Die Irrfahrten
Des Odysseus
Geld kommt gleich
Nach Dreck
Und eine Bank ist
Schon lange keine
Bank mehr im
Volksmund -
Bank
Zum innehalten
Aus
Ruhen.

Vorbei
Zahn um Zahn
Ich halt Euch nicht
Die Fresse hin
Ich weiß es
Besser
Weil ich
einfach nur
Das mache
Was meine Großmütter
Schon Taten
Keinen Unterschied
Zwischen
Arm und Bein
Und Reich und
Schwarz und
Weiß es sehr
Wohl am Ende
Kommt es
Nur auf
Uns auf
Jeden
Einzeln
An
Mutter
Courage!

09. 2015

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Je suis Lampedusa

Jetzt können wir
Es gar nicht fassen
Menschen aller
Nationen -
Hauptsächlich
Natürlich
Europas
Menschheit
Halten
Jetzt
Zusammen
Alle
Europäischen
Nationen
Mit Griechenland
Hat das nichts
Zu
Tun
So viele
Tote jeden
Tag
Wir
Haben
Es
Nicht
Vermocht
Der
Eine
Hat
Es
Und
Der
Andere
Nicht
Haben
Es
Nicht
Gewollt
Den Schulterschluss
Von
Merkel
Holland
Netanjahu
Freiheit
Gleichheit
Brüderlichkeit
Lampedusa
Schon
Gewohnheit...
So
Viele
Tote
Aber
Jetzt
Geht
Es
Ums
Eingemachte
Um die
Republikanische
Sicherheit
Freiheit
Gleichheit
Meinung
Bürgerlichkeit
Ich
Will
Nicht
Meer
Nase
Zuhalten
Und
An
Das
Vaterland
Denken
Und
Ich
Sag
Adieu
Und
Meer
Mitgefühl
Bitte
Fängt
Vor der
Eigenen
Haus
Tür an.

11.2015

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Nächstenliebe

Wenn
Die
Hölle
Aus 
Bricht
Pass
Zunächst
Auf
Dich
Selbst
Auf
Versprich
Mir das
Mein Kind
Denn
Ich
Hab es
Nicht
Vermocht.

09.2015

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One Way Trip

Wie
Laika
Auf den
Mond
Geschossen
Ohne
Rückfahrtticket
Meine Liebe
Ein
One way Trip
Zu Dir.

Verloren
In der
Ewigkeit
Verbrannt
Der Treibstoff
100 Prozent
Das Tempo
Definitiv
Tödlich
One Way Trip
Zu Dir.

Entfernung
Zeit
Ein
Quantum
Staub
Wird
Bleiben
Auf der Seele
Die zurück nicht
Fliegen kann
One Way Trip
Zu Dir.

Um ein
Vielfaches
Billiger
Fragt sich
Für wen
Ethisch nicht
Vertretbar
Es gibt
Viele so
Wie mich
Für immer
Und ewig
One Way Trip
Zu Dir.

Wozu also
Ein Rückfahrticket
Ich weiß
Das spielt
Keine Rolle
Das erscheint
Nur immer so
Dramatisch
One Way Trip
Zu Dir.

Aber
So war das auch
Bei den Deutschen
Früher
Die nach Amerika
Auswanderten
Da haben die
Freunde und
Verwandten auch
Gesagt ihr seid
Verrückt
One Way Trip
Zu Dir.

Ich bin aufgeklärt
Lebe
(Noch)
Im 21. Jahrhundert
Bin erwachsen
Genügt es um
Die Gefahren
Zu wissen
Was passiert
Wenn der
Notfallplan
Nicht mehr greift
One Way Trip
Zu Dir.

Wer übernimmt
Die Verantwortung
Und für wen
Für unsere Kinder
Für unsere Eltern
Für wen
Für mich
Lebe ich
Um zu arbeiten
Oder
Arbeite ich
Um zu leben
One Way Trip
Zu mir Selbst.


2015

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Kater-Stimmung

Es dauert
100 mal länger
Zusammenzufügen
Wie es dauert
Wenn es zerbricht.

Vielleicht
Ein
Ganzes
Leben
Und
Viel
Leicht
Darüber
Hinaus.

Wie ...

Die Brücke
Das Konzept
Das Klettergerüst
Die Ehe
Das Puzzel
Die Weltanschauung
Die Familie
Der Himmel
Die Wabe
Das Bild
Das Land
Meine Seele
Und
Ich.

Oder...

Viel
Leicht
Hat
Man
Glück
Und
Es
Geht
Schnell.

Abrakadabra
Drei Mal
Schwarzer
Kater.

2015

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Alzheimer

Merken Sie sich
Drei Worte
London Salat Sechzehn
Wie merken
Einfach merken
Wie alt sind sie
So zwischen
84 und 85
Was ist heute
Für ein Tag
Ein guter
Nehme ich an
Gut- welche
Jahreszeit haben wir
Wir haben heute Regen
Wo wurden sie geboren
Wissen sie das wenigstens
Stettin am Wasser
Meine Mutter konnte
Rübensirup Rühren
Für ein ganzes Dorf
Wo wohnen sie
In der Breitscheid Straße 5
Wann wurden sie geboren
Zwölfter zwölfter zwölf
Ich bin ein Christkind
Sonntagskind
Welcher Tag ist heute
Ja das kann ich so nicht sagen
Welcher Monat
Mai
Wir haben Januar
Auch schön wie der Regen
An das Fenster klopft
Ist das ihr Mann
Dort in der Ecke
Ich nehme mal an
Sagen sie mir jetzt
Die drei Worte
Welche drei Worte
Die sie sich merken sollten
Ach sollte ich
Ja
Ich kann mich nicht erinnern
Doch ich weiß
Ich liebe Dich
Wie
Die drei Worte
Hab ich mir gemerkt
Ich liebe Dich
Ja danke Frau
London Salat Sechzehn
Hießen sie
Was
Ich heiße
Lilo Müncheberg
Ich weiß doch
Wie ich getauft wurde
Danke, Frau
Münchenern
Sie kriegen dann
Bescheid
Breitscheid Straße 5
Wohn ich
Ja Ja alles klar.

März  2015

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Geheimnis

Liebe is a Geheim
Agent – nis
Ich verrat Dir
Mein Geheimnis
Mich hat noch
Nie ein Herr
Erobert wie
Ave Maria
Hab ich ein Kind
Zwar unberührt
Hat mich noch
Keiner wirklich
Er Ober ´  t
Glatt Eis
Im Herzen
Rutsch ich
Immer wieder
Aus mit mir.

2014

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Herz Schlag

Ein Jagdhund
reißt seine
Beute nicht
in Stücke
zerfetzt
mein Herz
Zeit heilt
alle Wunden
ich habe
keine Zeit
Meer
mein Zeitzünder
ist entsichert
bald
explodiere ich
verstreut in alle
vier Himmelsrichtungen
Fukushima heißt
übersetzt
Glückliche Insel.


14.Juni 2012


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Survival is the Key

Heute fand ich ein Blatt vom Ginkobaum.
Es lag zwischen dem zerbrochenen Pflaster
umringt von schwäbisch schreienden Babys
des Prenzlauer Bergs. Ich ging neben zwei
Freunden schweigend und fand
keine Worte dafür. Das Blatt heimatlos -
Mutter Erde mit vielen Gesichtern, ich
habe so viele dass ich manchmal nicht
weiß welches meines ist.

2012

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WM 66

Ich höre immer
so ein Geräusch
wie aus der Ferne
eine Schleuder
WM 66
aus der Waschküche
schräg unter mir
ein Vibrieren
könnten auch Panzer
Sein,
russische wie aus
der Ferne her rollend
Putin ist der kalt
oder mein er würgtes
Herz – schlag
in den letzten Zuckungen
regt sich dennoch ein
Rest Widerstand
Aufruhr betäubt und
kaum noch spürbar durch
den Schleier Citalopram aber
immer nur Nacht`s hör ich
tote Geräusche.

2014

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Babuschka

Meine Oma wurde
100 Jahre alt.
Wer kann das schon
von sich behaupten,
100 Jahre starkes
Herz.
100 Jahre –
ein Jahrhundert.
Ohne LIEBE wäre
das gerade in
den Zeiten des Fortschritts
und nach
den Zeiten der großen Kriege
niemals möglich gewesen.
100 Jahre und immer
hat sie gelächelt beim
Abschied – immer.
Nur einmal da hat sie geweint.
Als ich zurückkam, weil
mein Herz so schwer war.
Ich nahm sie in meine Arme
und wir weinten zusammen.
 Danach gab sie mir
einen Kuss und lachte.
Wir haben uns jedes Mal
verabschiedet wie
für immer -
jedes Mal.
Ein Jahr lang!
100 Jahre und plötzlich
hört es auf zu schlagen
das Herz.
Warum gerade jetzt in
diesem Moment?
Die Hände sind noch warm
gleich schlägt Oma wieder
die Augen auf und lächelt.
Wie immer. Aber
kein Atem mehr
in ihrem kleinen Körper.
Kein Hauch einer Bewegung.
Kein Puls aber
deine Hände
sind noch warm.
 Es ist früh um fünf,
erstes Vogelgezwitscher
überhaupt in diesem Jahr
klingt vom See hinauf,
eine Nachtigall singt ihr
Lied. Einfach so -
früh um fünf -
Die Vögel werden dich
begleiten.
Wohin?
In die Weiten des Paradieses.
Zum Anfang zurück.
In die Seligkeit.
Zu deiner Mama.
Zu deinem Papa.
Zu deinem Liebsten.
Was hat Dich
so lange gehalten hier
zu verweilen?
 Die Liebe ist Unendlichkeit!
Auf der Rückseite des Mondes
treffen wir uns irgendwann
wieder und lachen und genießen
eine zärtliche Umarmung  und
dann lassen wir uns
nicht mehr los. 

2012

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Heimatt

Ich wollte dich noch einmal sehen.
Ich wollte dich noch einmal riechen.
Ich wollte mich noch einmal in dir
geborgen fühlen.
Heimatlos bleibt mir nur die
Erinnerung an dich und manchmal
halte ich es nicht mehr aus -
das Fremd Sein in der Heimat.
Ich habe Heimweh!

2012

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NUNAVUT –"unser Land" Sprache der Inuit

Beim Morgenlauf auf dem Deich traf ich der Reihe nach …
die Sonne und den Mond vereint … und die Fischer …
den lebensmüden Stieglitz der keine Angst hatte ganz nah heran zu kommen und nicht checkte dass Charly die Katze nur so tat, als ob sie schlief …
zwei küssende ineinander verschlungene Wildpferde …
Marek den Postboten mit Foxterrier, 22 Jahre jung …
eine Schwalbe die mich immer abholte, pünktlich …
ein Fischreiher der mit großem Flügelschlag quer Feld ein Richtung Lappland flog …
eine orange Libelle, die betörend duftete und …
eine türkische Motte ebenfalls verliebt.
Es plätschert so vor sich hin das LEBEN … immer weiter … und weiter … man soll nicht eingreifen in den Verlauf des Flussbettes … immer weiter… und weiter…

2012

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Auferstehung

Du musst an dich glauben
schreit das große ICH zum
fast unsichtbaren SELBST.
Ich muss mich erst einmal erholen,
flüstert das kleine fast unsichtbare
SELBST. Ja, aber dabei musst du unbedingt
an dich glauben brüllt das große ICH.
Das fällt mir schwer, sieh doch
ich kann nicht mehr stehen,
geschweige denn aufrecht gehen, mein
Blick ist getrübt und der Biss ist auch
nicht mehr der, der er mal war.
Aber du musst an dich glauben,
besteht das immer größer werdende
ICH weiter auf seinem Standpunkt.
Warum, fragt das fast unsichtbare kleine
SELBST. Es reicht doch wenn einer glaubt,
„Du“. Das große ICH ist nun beleidigt
über so viele Selbstzweifel. Es kann
sich nicht vorstellen, wie es einem geht
fast unsichtbar zu sein, weil es ja
selber immer so leuchtet. Und das noch
völlig aus sich heraus. Das große ICH
bläst sich noch mehr auf und das
kleine fast unsichtbare SELBST ist jetzt
wirklich unsichtbar geworden. Das große
ICH ist nun verwirrt. Wo bist du? Hab ICH
was falsch gemacht? ICH kann doch nichts
für meine Größe!

In und aus der Unsichtbarkeit um sich 
herum empfindet das große ICH plötzlich
einen Anflug von Einsamkeit und setzt sich
auf einen Stein.
Es könnte jetzt weinen aber es hat vergessen
wie es  geht. Die Sonne scheint und das große
ICH schaut auf einmal auf den Schatten seiner
SELBST.

In Erinnerung an J.B. 2012

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Halbzeit

Sie können malen
sie können singen
sie können tanzen
sie können steppen
sie können trommeln
sie können spielen
sie können erzählen
sie können zuhören
sie können schweigen
sie können begeistern
sie können lachen
sie können weinen
sie können andere zum Lachen bringen
sie können andere zum Weinen bringen
sie können die Möwen anlocken
und die Wölfe
sie können nähen
sie können kochen
sie können trösten
sie können den Regen beschwören
sie können zusammenhalte
sie können Wunden heilen
sie können in Zusammenhängen denken
sie können ein Feuer anzünden
sie können alles
Manchmal verdienen wir kein Geld.

2012

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Nach Hause

Geh nach Hause!
Wo soll das sein?
Dort wo du am
glücklichsten
gewesen bist!
Hä?
Dort wo du
glücklich bist!

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Halbzeit

Aus welchem Teil des Himmels bist du gefallen?
Aus dem dunklen Teil.
Warum bist du gekommen?
Ich liebe dich.
Wer bist du?
Ein Teil von dir.
Wer?
Dein schwarzer Engel.
Warum bist Du gekommen?
Ich zeige Dir den Weg.
Wohin?
Wo deine Seele Ruhe findet.
Aber es ist zu früh!
Besser als zu spät.
Bitte warte noch!
Das Bitten überlasse ich anderen.
Ich habe noch etwas zu erledigen.
Nebensache, komm!
Ich kann nicht.
Komm, ich werde dich befreien!
Wovon?
Von deiner Seelenqual.
Wie?
Von deiner Angst.
Aber ich hab mich eingerichtet.
Mit wem?
Mit meiner Angst, ich liebe sie!
Nein du liebst mich, nicht sie.
Wer bist du, das ich dich lieben sollte.
Ich bin der Tod, die wahre Liebe.
Aber ich will leben und nicht sterben.
Laß dich fallen.
In deine Arme etwa?
Warum nicht?
Ich habe Angst.
Und ich bin das Gegenteil.
Wovon?
Von deiner Angst.
Beweis es mir.
Laß los.
Warum?
Weil ich dich liebe.
Dein Kuß ist kalt.
Was dachtest du?
Dies alles ist ein Traum.
Bedingungslose Liebe ist kein Traum.

Der Mond fällt in sich zusammen und versinkt im Nichts.

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Valentina Storz - unbedingte Entschleunigung

Valentina Storz – geboren 1964 - fährt mit hundertachtzig Sachen auf ihrem Motorrad durch Berlin und kommt unfreiwilligerweise durch widrige Umstände auf der Karl – Marx- Alle/ Ecke Friedensstraße zum Stillstand, wodurch sie ihr Leben zum ersten Mal verliert.

( Monolog für einen Clown)

Wer früher kommt, kann früher gehen.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Ich war ne Frühgeburt im 7. Monat.
Risikogeburt.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Bevor ich gehe, werde ich noch einmal meine Schuhe putzen.
Ich muss schauen, ob die Blaumeise immer noch so zart schimmert.
Immer hin und her gerissen hin und her.
Ich glaube nicht, dass ich das Letzte bin.
Nein.
Ich gebe ja mein Bestes.
Ja.
Ich versuche, mich gut zu fühlen.
Ich weiß nicht, was ich will.
Ich weiß nicht, was ich will.
Tanzen – tanzen ist mein Leben.
Ich hab doch keine Angst.
Angst ist das Gegenteil von Liebe ist das Gegenteil von Angst.
Frißt Seele auf.
Entschleunigung, unbedingte Entschleunigung meines Geistes ist angesagt.
Meditieren ist die Rettung.
Einatmen, ausatmen, OM.
Einatmen, ausatmen, OM.
Kein Wölkchen weit und breit.
Ich muß mal wieder tanken.
Auftanken.
Auferstehung.
Jammertal, ist das nicht alles ein Jammertal.
Zu viele Autos.
Eindeutig zu viele Autos in Berlin.
Bevor ich gehe, muss ich noch eine Hand voll Schnee einwecken.
Ich kann mich noch erinnern an den Krach.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Ich hab auf Risiko gesetzt vom ersten Augenblick.
Man kann der nicht schneller fahren.
Oh nein, kein Stau, jetzt nicht.
Obwohl, meine Freundin hat immer gesagt, ich könnte nicht tanzen.
Ich sehe dann immer aus, wie John Travolta für Arme.
Rückwärts gedacht mag sie vielleicht Recht haben.
Vorwärts gefühlt sieht es gar nicht rosig aus.
Schneller, schneller, ich habe keine Zeit mehr.
Tanzen hilft, den Schatten auf dem Herzen zu belichten.
Weinen kann ich schon lange nicht mehr.
Ich stell mir vor, ich lieg in einem blühenden Rapsfeld.
Ab und zu ein vereinzelter Klatschmohn, der mich tröstet.
Bevor ich gehe, werd ich dich um Verzeihung bitten.
In meiner Angst haben Generationen Platz.
Auf die Atmung kommt es an, nur auf die Atmung.
Einatmen, OM.
Ausatmen, OM.
Ich kriege keine Luft mehr, Stauraum.
Warum, warum musste es Valentina sein.
Warum nicht Katharina oder einfach Ina.
So wie alle.
Aber nein, es musste etwas Besonderes sein.
Etwas mit Anspruch.
Valentina Tereschkowa!
Die erste Frau im Weltall.
Fliegen ist Schwerelosigkeit, wie Tanzen.
Leicht nehmen das Leben, leicht.
War das die Botschaft nach dem Krieg.
Visionen schon durch Namengebung.
Gescheitert. Umsturz.
Valentina Storz.
Da ist ja schon der Fehlstart eingeplant.
Mein Name war Programm zu Höherem.
Bewusstsein mit dem ersten Atemzug.
Einatmen ausatmen, OM.
Es gibt keine Straße der Besten mehr.
Auf der Straße der Besten bin ich das erst mal gestolpert.
Ich rede nicht von kollektivem Reinfall.
Atlantis hat noch immer große Aussichten, entdeckt zu werden.
Doch Valentina friert.
Im Februar, dem kalten.
Dienstag - Valentinstag.
Von wegen Tereschkowa und
Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.
Wer bin ich.
Wo sind meine Wurzeln.
Früher ist nicht mehr.
Wir sind jetzt im Hier und Heute.
Jede Mutter hält ihre Gänse für Schwäne.
Bin ich eine gute oder eine schlechte Mutter.
Ich bin die Mutter.
Einatmen, ausatmen, OM.
Einatmen, ausatmen, OM.
Ich lasse los.
Ich lasse alle Anspannungen los.
Ich lasse alle Furcht los.
Ich lasse alle Wut los.
Ich lasse alle Schuldgefühle los.
Ich lasse alle Traurigkeit los.
Ich lasse alle Grenzen los.
Ich lasse los und lasse los und lasse los...
Ich lasse los und lasse los und lasse los...
Ich lasse los und lasse los und lasse los...
LEBENSMÜDE.
Der ist  doch lebensmüde.
Mitten in der Kurve.
Ich kann nicht bremsen.
Hilfe!
Meine Bremmsklötzer sind runter.
Aber gut sieht er aus, der goldene Reiter.
Vielleicht blaue Augen unter dem Visier.
Gevatter Tod, so sexy kommst du mir daher.
So mitten aus der Kurve.
Mitten aus dem Leben.
Willst du mich reißen.
Wie sag ich‘s meinem Kinde.
Wie sagt ihr‘s ihm.
Seine Maschine ist schwer.
Sie konnten zusammen nicht kommen.
Das Wasser war viel zu tief.
Das Wasser war viel zu tief.
Mir steht das Wasser bis zum Hals.
Tereschkowa, komm, nur kein Selbstmitleid.
Der ist zu jung für Dich.
Frischfleisch ist morgen Gammelfleisch.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Der Motor macht nicht mehr lange.
Ich habe Probleme mit dem Vergaser.
Berliner Luft ist dreckig.
Meine Lunge reißt.
Tereschkowa, hast du das damals schon gesehen.
Ich frage dich.
Dein Blick von oben.
Hast du es damals schon gesehen.
Das Loch.
So groß wie Grönland soll es sein.
Du hast es doch gewußt.
Ihr habt‘s gewußt und habt geschwiegen.
Tja wie sag ich‘s meinem Kinde.
Tereschkowa ich versteh Dich.
Wie sag ich‘s meinem Kinde.
Atmen mußt du schon selber.
Ich bin ein Baum.
Ich bin der Mond.
Ich bin wie Gusti Reiser.
Ich erwarte nichts mehr.
Fällt mir schwer.
(Psychoanalyse in Charlottenburg.)
Vorfreude, schönste Freude.
Ein Löffel Olivenöl auf nüchternen Magen.
Erhält die Gesundheit.
Jung und Freud nicht.
Links und rechts.
Wer hätte das gedacht.
Dass es einmal so weit kommt.
Ich such die Mitte.
Was mich im Innersten zusammenhält.
Und wenn sie nicht gestorben sind.
Dann leben sie noch heute.
Klassentreffen, morgen hab ich Klassentreffen.
Jung und Freud gehörten nicht zum Lehrstoff.
Ohne Abi kann man es gleich vergessen.
Ich hab kein Abi.
Scheiße, jetzt fängt es auch noch an zu regnen.
Das hat mir gerade noch gefehlt.
Von links nach rechts pecht‘s.
Ne schwarze Katze mitten auf der Strasse.
Ausweichmanöver auf der Karl Marx Allee.
Gott sei Dank noch mal davon gekommen.
Wovon. 
Davon.
Einfach umdrehen.
Einfach noch mal von vorne.
Alles einfach noch mal von vorne.
Von rechts nach links .
Glück bringt’s.
Wer zu spät kommt.
Den bestraft das Leben.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Ich bin zu jeder Zeit am richtigen Ort.
Nicht vergessen, nicht vergessen.
Bloß nicht vergessen.
Das war einmal.
Es ist vorbei.
Alzheimer lässt grüssen.
Ich will mich ja erinnern.
Ich kann mich nicht erinnern.
Ich lebe doch im Augenblick.
Papa, was ist eigentlich LIEBE.
1968 sind die Panzer in Prag...
Ja.
Das war mir sowas von am Arsch vorbei.
Mensch, ich war vier und noch keine neunzehn.
Ich war vier.
Die Katze könnte meinem Kind gefallen.
Ich würde sie glücklich machen.
Einfach umkehren.
Einfach noch mal von vorne.
Freude machen bringt selber Freude.
Wenn es mir gut geht.
Wenn ich glücklich bin.
Ist auch mein Kind, ist auch mein Mann.
GLÜCKLICH sein.
Ich hab ne Tierhaarallergie.
Krebse haben keine Haare.
So ein Krebs.
Oder bring ich da was durcheinander.
So ein Krebs hat Zukunft.
Im Rückwärtsgang nach vorne.
Wiedergeboren Sein.
Vom Ende aus zum Anfang.
Wer früher kommt, kann früher gehen.
Heute gehen die Kinder vor den Eltern.
Wir sind gehorsam.
Erleuchten Euch den Weg.
Ich weiß nicht, wo die Liebe wohnt.
Vielleicht in Beirut.
Vielleicht in Moskau.
Valentina, wie geht es Dir.
Mir geht es gut.
Im Augenblick jetzt geht es mir gut.
Ich fahre hundertachtzig.
Es ist verboten.
Ich liebe es besonders, wenn es verboten ist.
Ich liebe meine Eltern
Ich liebe mein Kind.
Ich liebe meinen Mann.
Ich liebe meine Arbeit.
Ich liebe mein Land.
Immer lebe die Sonne.
Auch wenn sie nicht scheint.
So wie jetzt.
Das muss noch einmal gesagt werden.
Ich liebe Euch doch alle.
Scheiße.
Das ist jetzt nicht wahr, oder.
Das ist wirklich Vogelscheiße.
Von oben mitten in mein Gesicht.
Nee wa.
Von oben nach unten scheißt du mir ins Gesicht.
He, Du Vogel.
Ich hab grad hundertachzig Sachen drauf.
Ich fass es nicht.
Ne weiße Taube.
Ne weiße Taube scheißt mir ins Angesicht.
Na, wenn das kein Glück ist.
Ich hab es doch gewußt.
Kleine weiße Friedenstaube...
Valentina Storz verliert die Beherrschung über ihr Motorrad und somit auch über ihr Leben.
Sie soll nicht gelitten haben, heißt es. Augenzeugen, welche unmittelbar am Unfallort waren, beschreiben, ein weißes Licht in Richtung Himmel emporsteigen gesehen zu haben. Ein Kind berichtete noch Tage danach von einer weißen Taube, welche immer wieder zurückkam und ihm ein Lächeln schenkte.

(Valentina  heißt auf Deutsch die Starke)

2008,  2. Monolog aus „Monolog Material- Früher die Staatssicherheit und heute die Todsicherheit“

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Kriemhilds Abschied von den Verhältnissen

(oder Kriemhild ist in anderen Umständen)

Es war ein ganz gewöhnlicher Tag, als Kriemhild beschloss, ihr Leben von nun an anders zu gestalten.
Von einem Tag auf den anderen hörte sie plötzlich genauer hin und beschloss, nie wieder zu sprechen. Die Leute um sie herum redeten seit sie denken konnte, viel zu viel und viel zu lang und vor allem viel zu laut. Kriemhild hatte es satt, immer so weiter leben zu müssen, wie die Verhältnisse und Umstände um sie herum es diktierten. Sie kaufte sich eine Tüte voller Zuckerschnecken, setzte sich auf die Bank an der Bushaltestelle und stopfte eine Zuckerschnecke nach der anderen in sich hinein. Es nieselte, sie saß im Trocknen und musste kotzen, denn sie war in anderen Umständen. Sie konnte sich nicht erinnern, wie, wo und wann sie da genau hineingeraten war – in diese Umstände.
Hilde war 43 Jahre alt, hatte noch so viele unerfüllte Träume und spürte in sich ein Loch - an diesem Tage, an der Bushaltestelle - in dem sie fast zu versinken drohte. Sie musste es füllen, dieses Loch, mit Streuselschnecken. Dann zog es sich zusammen, das Loch, und Kriemhild schwebte nicht mehr in Lebensgefahr. Sie musste sich verändern! Nachdem sie sich übergab, fiel sie um. Sie ließ sich einfach fallen, lag auf dem Asphalt, der Bus hätte sie fast überfahren. Alles Weitere würde sie dem Zufall überlassen, sie war es leid, immer so weiter und so weiter...
Die Welt nahm keine Notiz von Kriemhild, schon gar nicht die Leute an der Bushaltestelle.
Kriemhild lebte seit dem Tag ihres beschlossenen Schweigens auf der Strasse. Sie teilte ihr Brot mit den Vögeln, die auch vor Urzeiten beschlossen hatten, ihre Heimat zu verlassen, um in die Städte zu fliehen, weil dort ab und an noch die Barmherzigkeit Einzug hielt. So erzählten es die älteren Zugvögel jedes Jahr den Kleinen in ihrer nicht mehr vorhandenen Heimat. Das Land war noch da, aber es roch nicht mehr wie früher, das Waldsterben hatte unerdenkliche Ausmaße angenommen, der Grund und Boden war verkauft und von den neuen Herren wollten sie sich nicht durchfüttern lassen. 
Die Vögel und Kriemhild kämpften jeden Tag ums nackte Überleben. Sagten die Leute auf der Strasse. Sie wussten nichts von Kriemhilds Gabe, mit dem Schnee zu fühlen, bevor er schmolz. Denn Kriemhild war Expertin im Schmelzen. Ihr Herz schmolz jeden Abend dahin, unter der Plane ihrer Herberge, im Lüftungsschacht, vor Sehnsucht nach früher, vor Hertie. Trotz der eisigen Zeiten. Kriemhild liebte den Schnee, weil er ihr Ruhe schenkte. Sie schrieb die schönsten Gedichte. Voller Sehnsucht brannten sie sich in ihre Seele. Sie schenkte sie dem Wind, den sie sehr verehrte, und schwieg. Kriemhild war weise! Alles ist vergänglich! Kein Wort des Jammerns kam je über ihre Lippen. Sie hatte immer ein kleines Lächeln übrig. Für jeder Mann. Für jede Frau und für die Kinder. Sie teilte ihr Brot mit den Vögeln- vielleicht lernte sie irgendwann doch noch zu fliegen. Vielleicht in ihrem zweiten Leben oder in ihrem dritten. Sie gab die Hoffnung nie auf.
Die Leute schenkten ihr manchmal Almosen. Einer Verrückten, die barfuss lief und sich für den gespendeten Schatten mit einer Umarmung bei ihrem Freund dem Baum vor Hertie bedankte. Er hatte so viele Geschichten zu erzählen, vom Aufschwung und von der Inflation in vergangenen Zeiten. Vom Kummer der kleinen Leute. Kriemhild war nie langweilig auf der Strasse. Sie wunderte sich nur manchmal, dass die Leute, immer noch nicht hellhörig wurden, obwohl es sie doch längst wieder alle betraf. Natürlich waren es die anderen Umstände, die Kriemhild zwangen, sich zu verändern und Kriemhild wusste, das sie diese nicht ändern konnte. Vorerst! Sie schaute jeden Morgen in die Schaufensterscheiben vor Hertie, grüßte ihr Spiegelbild und war überzeugt, was sie da sah war das Einzige, was sie mit ziemlicher Sicherheit verändern konnte. Jeden Tag von neuem. Vorerst!
Aber Kriemhild schwieg weiter. Die einzige Freiheit, die mir bleibt – dachte sie -  ist immer noch die Straße! Vorerst, flüsterte der alte Baum und summte ihr Lieblingslied.

2009

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Privat - versichert

Wenn du privat
versichert bist
kriegst du ein
Einzelzimmer
wenn nicht
dann mußt
du zusehen
wie es sich
stirbt in
deutschen
Krankenhäusern
auf Cuba wird
schon lang keiner
mehr satt aber
die Krankenhäuser
nehmen jeden auf
ob schwarz ob weiß
ob arm ob reich
die sonne scheint
für alle gleich
in Deutschland
ist es kalt und
spitze Hände
fassen deinen
Körper Schmerz
zerreißt dein
Inneres und
Schwester Conny
greift in das
was von dir
noch übrig ist
verzieht den
frisch lackierten
Mund und träumt
von Guido der sie
bald flachlegen
wird auf den
Bahamas Spagat
ein Drahtseilakt
für alle
Angehörigen
zu sehen und
zu  hören und
zu fühlen und
nicht hinein
zu greifen
in das frisch
toupierte Haar
und Schwester
Conny nicht
zu schleifen
durch den Flur
bis hin zu den
Bahamas soll
sie sich dort
steif amüsieren
nur Hände weg
von meiner Oma
Hände weg von
Vietnam und
Freiheit für
Luis Corvalan
Hände Hände
fassen immer
wieder zu nicht
weit weg zwanzig
Minuten nur
von hier bis
Rüdersdorf vor
dem Gesetz sind
alle gleich –
Gevatter Tod
klammern wir
jetzt mal aus
denn er sprengt
alle Grenzen
unserer Vorstellungs
Kraft -  wo
bleibt die Zivil
Courage Herr
Doktor wenn
es heißt der
Patient will
nicht mehr aber
auch nicht
weniger als das
was ihm
versprochen wurde
Generalvollmacht
ein deutsches
Wort wo findet
man  seine letzte
Ruhe wer übernimmt
denn hier die
Verantwortung
von  wegen Ruhe
in  Frieden da
kannst du noch
so wenig essen
aber  trinken
musst  du sonst...
immer diese Drohung
was sonst nichts sonst
Generalstreik in
Frankreich wissen
sie was Wirklichkeit
verändert  hat in
Deutschland nicht
mal der Schrecken
von vor sechzig Jahren
was Schwester Conny
ist die Transformation
von deutscher kalter
Wertarbeit und
wehe dem den
sie zu fassen
kriegt.

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Gedichte

 

Ich muss noch was erledigen


bevor ich gehe
werde ich mir
noch einmal meine
Schuhe putzen und
schauen ob die
Blaumeise immer
noch so schön schimmert
wie im letzten Jahr

bevor ich gehe werde
ich eine Hand voll
Schnee einwecken weil
sich Morgen vielleicht
keiner mehr erinnert an
den Krach den die Spatzen
von den Dächern pfeifen

bevor ich gehe
werde ich dich
um Verzeihung bitten
für all die Berührungen
Sehnsuchtsvollen die
ich nicht vermocht
und erstickte in
meiner Angst haben
Generationen Platz

bevor ich gehe
stoße ich mit dir
an auf ein neues Leben
in einer anderen Zeit
wo bedingungslos
Lieben keine Drohung
ist verkapselt lebenslänglich
im Fluch des Verzichts

bevor ich gehe
werde ich mehr als
einmal zu spät kommen
und es macht mir
nichts aus weil Zeit dann
keine Dauerrolle mehr
spielt im Kreis der
Selbsterkenntnisse

bevor ich gehe
bleibe ich noch
eine Weile und
schaue den Zug
Vögeln nach in der
Hoffnung das sie
mich wieder beglücken
werden in einer schlaf
losen Nacht mit dir
unter den Holunderbüschen

 

2008

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Um die Ecke

Wenn ich eines
Tags nicht mehr
wieder komm
weißt du ja wo
du mich findest
gleich um die
Ecke hinter dem
Mond liege ich
nackt unter dem
alten Baum zähle
die Träume und
schenk sie dem Wind.

 

2004

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Noch einmal

Ich will noch einmal
auf dem schmalen Grad
Erinnerung
mit dir
durch die Nebel fahren

ich will noch einmal
vor dir sitzend
deinen rauen Atem
hinter mir
im Nacken spüren

ich will noch einmal
im Takt der Stille
und im Rhythmus
der Pedale
deiner Melodie folgen

ich will noch einmal
schweigend
im Morgentau  mit
nassen Füssen
neben Dir
zerfließen und
nicht wissen
wo ich bin

Ich will noch
einmal mit
leeren Taschen
vor dir stehn.

 

2003

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Mein Haus

Die Tür steht immer offen
mein Haus soll Euer sein nur
manchmal
manchmal
manchmal
bin ich auch gern allein.

 

2006

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ASYL

Ich bitte um Asyl
bei euch für
eure Kinder euer
eigen Fleisch und
Blut die schutzlos
sich verirrten im
Raum der Kälte
und Unfühlbarkeit
gebt ihnen Zuflucht
im gemeinsamen
Zuhause den
heimatlosen Seelen
einen Platz in eurem
Herzen wo nicht das
SEIN erfriert.

 

1999

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Der schönste Tag

Es war der schönste
Tag in meinem
Leben als ich
genommen hab
aus deinem Blick
die Lust zu lieben
auf des Messers
Schneide tanzend
sich im Kreis zu
drehen und im
Moment der Stille
wusste es gibt
kein zurück.

 

2006

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Die hohe Mathematik 

Viel zu viel plus
immer und immer wieder
viel zu viel ergibt
Pause hoch fünf
mal Ruhe hoch zehn
minus eine Mütze
voll Schlaf  ist gleich
              =
mehr als du denkst.

 

 2006

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Du und Ich

Du redest viel
ich rede viel

du verstehst mich nicht
ich verstehe dich nicht

du gibst mir die Schuld
ich gebe dir die Schuld

du schreist
ich schreie

du schmeißt die Tür
ich schmeiße die Tür

du gehst
ich bleibe

zwischen  uns
ein  Kind
die Tür und
das Schweigen.

 

 2006

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Erschöpfung

Es hat sich eine
große Erschöpfung
in mir ausgebreitet
und ihr weißes Tuch
für mich gespannt
schwer zu widerstehen
der Versuchung sich
zu ergeben und
nieder zu strecken
die Glieder die
müden das Herz
das schwere lose
fallen all meine
Hüllen bis auf die
letzte von mir
ab und so steh ich
vor dir zitternd
wie ein Grashalm
im Sturm.

 

2006

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Gute Stube 

Ein Löffel für Mama
ein Löffel für Papa
ein Löffel für Bruder
ein Löffel für Schwester
ein Löffel für Oma
ein Löffel für Opa
ein Löffel für Tante
ein Löffel für Onkel
ein Löffel für Puppi
ein Löffel für Teddy
ein Löffel für Frieden
ein Löffel für Wohl
ein Löffel für Dich
und ein Messer
für mich.

 

 2006

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Tumult

Tumult im Waschbecken
und Tumult in mir
Tumult im Kinderzimmer
und Tumult in
meinem Positivismus

Tumult im Großen
und Tumult im Ganzen

Tumult
Tumultino
Tumultante
in meinem Herzen
lässt mich wieder
nicht einschlafen

da hilft nur ein Gläschen
ein Schlückchen
ein Rotes
ein Weißes

die Guten ins Töpfchen
die Schlechten wenn’s
heiß ist

Ordnung ist das halbe
Leben ich will alles
sprach es und
versank im Maß.

 

 2006

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Warmer Regen

Es kribbelt
es knistert
es brennt
es spannt
meine Sehnsucht
lässt mich fast
auseinander bersten

ich wasche
ich bügle
ich flicke
ich koch fast
über vor leisem
Verlangen nach dir

die Rechnung bezahlt
das Kind verschickt
die Tür zu gemacht und
geträumt von dir

wenn du nicht
bald kommst werde
ich aus mir heraus
steigen und fliegend
mache ich mich auf
die Reise zu dir
versteckt unter den
Flügeln des Kormorans
als warmer Regen dich
überraschend.

 

2006

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Warum bin ich

Warum bin ich -
ein Clown
springt nicht
von der Brücke
er balanciert
auf ihr.

 

2009

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Wunsch 

Ich wünsche mir
ein Lied von dir
so zart wie
damals am Fluss

ich wünsche mir
eine Hand voll
Schnee weil ich
mich abkühlen muss

ich wünsche mir
kein Wort von dir
nur eine kleine
Verzauberung

eins zwei
drei vier

ich wünsche
du wärst
bei mir.

 

2006

 

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